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InDesign Japanisch – Sonderfunktionen

Wie Sie ja bereits wissen, ist in Japan vieles anders, nicht nur die Sprache. Dass da die japanische Sprachversion von InDesign auch zusätzliche Funktionen für komplexere typografische Besonderheiten enthalten muss, ist demnach ganz logisch.

Sonderfunktionen Japanisch

Japanisch im deutschen InDesign?

Die deutsche Version von InDesign kann zwar auch Japanisch richtig »darstellen« aber damit sind ihre Möglichkeiten auch schon erschöpft (typische Beispiele sehen Sie hier). Wer damit Japanisch richtig zu »setzen« versucht, muss sich viele Tricks einfallen lassen und vor allem ganz viel Zeit investieren. Für japanische Setzer ist die DTP-Arbeit mit einer nichtjapanischen Sprachversion unzumutbar umständlich und anstrengend, solche Software ist für sie streng genommen unbrauchbar.

Der deutschen Version fehlen vor allem drei ausschlaggebende Möglichkeiten zur Bewältigung von Satzarbeiten auf Japanisch: die Möglichkeit zum vertikalen Satz sowie die Einstellungsmöglichkeiten für automatische Zeilenumbruch-Kontrolle und nichtjapanische Buchstaben im japanischen Text. Über die beiden ersteren Funktionen können Sie auf dieser Seite etwas erfahren. Mit der letzteren beschäftigt sich die Seite »Fonts mischen«.

Vertikaler Satz

Auch wenn uns das Internet nur die horizontale Leserichtung bietet, und Japaner in ihren E-Mails darauf verzichten müssen, vertikal zu schreiben, wird Japanisch in Druckerzeugnissen nach wie vor überwiegend vertikal gesetzt, und die meisten Bücher und Zeitschriften werden von »hinten« aufgeschlagen, also von rechts nach links gelesen. Japanisch funktioniert zwar auch horizontal technisch einwandfrei, aber für Japaner sind vertikal gesetzte Texte unzweifelhaft angenehmer zu lesen als horizontal gesetzte, weshalb lange und schnell zu lesende Texte wie Zeitungsartikel oder Romane so gut wie nie horizontal gesetzt werden. Die Möglichkeit zum vertikalen Satz ist also für Japanisch ein unentbehrlicher Bestandteil eines Satzprogramms.

InDesign Japanisch Bund rechts

Diese zwei Buttons sind in Europa unbekannt. Im Fenster »Neues Dokument« legen Japaner neben Papiergröße und Seitenanzahl auch fest, auf welcher Seite das neue Dokument gebunden sein soll.

InDesign Japanisch Seitenübersicht

Je nach dem, wie das Dokument aufgeschlagen wird, fällt die Seitenübersicht anders aus. Das Bild links zeigt die »normale« mit dem Bund auf der linken Seite, rechts ist die typisch japanische. Bei der Erstellung der Druckdateien aus solch einer speziellen Vorlage ist eine frühe Rücksprache mit der zuständigen Druckerei zu empfehlen, um Durcheinander beim Ausschießen vorzubeugen.

In Informations- und Werbematerialien wie Flyern oder Broschüren muss Japanisch nicht unbedingt schnell gelesen werden. Und wenn sie ursprünglich aus Europa kommen, bleiben fast immer bestimmte Wörter oder Begriffe unübersetzt in lateinischen Buchstaben erhalten. In diesem Fall setzt man gerne alles horizontal. Schließlich ist die Umsetzung der Aufgabe, eine japanische Sprachversion aus einer deutschsprachigen Vorlage zu erstellen und dabei das Gesamtbild möglichst originalgetreu zu erhalten, viel einfacher, wenn man alles horizontal lässt.

Meine Kunden brauchen sich also keine Sorgen zu machen, wenn ich für sie alles horizontal setze, auch wenn ich oben geschrieben habe, dass Japaner tendenziell die vertikale Leserichtung bevorzugen.

»Kinsoku-Shori« – automatische Zeilenumbruch-Kontrolle

Abgesehen von einigen Ausnahmen können japanische Wörter überall für den Zeilenumbruch getrennt werden. Silbentrennung, wie Sie sie aus Ihrer Sprache kennen, gibt es im Japanischen nicht. Zusätzlich werden im Japanischen zwischen den Wörtern keine Zwischenräume geschrieben. Wo es weder Silbentrennung noch Wortfugen gibt, wird auch am Zeilenende kein Trennstrich gebraucht. Wenn für ein in lateinischen Buchstaben geschriebenes Wort im japanischen Text am Zeilenende der Platz nicht reicht, wird es einfach getrennt – ohne Rücksicht auf die Rechtschreibung der betroffenen Sprache. Hierfür kann man den Japanern aber keinen Vorwurf machen, so ist es dort nun mal üblich. Ich persönlich dagegen kenne die europäische Typografie zu gut, als dass ich heute noch ein Wort ohne einen Trennstrich trennen könnte, was in Japan zum Glück auch nicht verboten ist.

Die oben erwähnten Ausnahmen sind bestimmte Schrift- und Satzzeichen, bei denen kein Zeilenumbruch stattfinden darf. Früher gab es keine verbindlichen »Regeln« für den Zeilenumbruch, sondern es waren sozusagen »althergebrachte Empfehlungen«, an die sich umsichtige Setzer gern hielten, um einen angenehmen Lesefluss zu garantieren. Diese »alten Weisheiten« sind seit 1993 in der japanischen Industrie-Norm JIS (JIS X 4051) festgeschrieben, und inzwischen kann man mit Fug und Recht sagen, dass es heute einen »richtigen« und »falschen« Zeilenumbruch gibt (mehr zum Thema Zeilenumbruch finden Sie unter »Flattersatz und Kursive«).

Trotz der Einführung dieser Norm bleibt dem Setzer in der Praxis ein erheblicher Spielraum, nach welchem Modus er Zeilen umbrechen möchte. Satzregeln sind eben keine Verkehrsregeln, an die man sich immer exakt halten muss. Im Einstellungsfenster (Bild unten) gibt es zwei Modi für Japanisch, einen harten und einen weichen. Im harten Modus sind wesentlich mehr Zeichen, bei denen ein Zeilenumbruch verboten ist, standardmäßig eingetragen als im weichen.

InDesign Japanisch Kinsoku Sprachen

Modus wählen: InDesign bietet auch Voreinstellungen für die Zeilenumbrüche der Sprachen der Nachbarländer.

InDesign Japanisch Kinsoku Zeichen

Die Voreinstellungen im Überblick: Durch die Eingabe in Feld 1 können beliebig viele zusätzliche Zeichen in die Liste eingefügt werden.

In einer mit diesen Einstellungen erstellten Datei wird es keinen falschen Zeilenumbruch mehr geben. In der deutschen Programmversion muss der arme Setzer alle falschen Umbrüche per Hand korrigieren – noch. Vielleicht wird es irgendwann keine speziellen Sprachversionen mehr geben und man alle Schriftsysteme mit demselben Programm bearbeiten können.

Übrigens, Sie haben wahrscheinlich den Begriff »hängende Interpunktion« schon mal gehört. Eigentlich ist dies keine japanische Spezialität, denn Gutenberg verwendete herausstehende Trennstriche und Punkte bereits in seiner 42-zeiligen Bibel. In der japanischen Typografie spielte dieses Thema besonders in der Zeit des Buchdrucks eine größere Rolle als in der europäischen, weil japanische Punkte und Kommata dieselbe Dickte hatten wie alle anderen Schriftzeichen, wodurch viel auffälligere Lücken am Absatzrand entstanden als die, die Gutenberg als störend empfand.

Diese Funktion hat es deshalb in japanischen Satzprogrammen schon immer gegeben und sie wird auch ausgiebig benutzt. Auf Japanisch lautet der Fachbegriff für sie »Burasagari«. Sie unterscheidet sich von der auch in europäischen Programmversionen bekannten, ähnlichen Funktion »Optischer Randausgleich«, dadurch, dass Burasagari nur auf Doppelbyte-Satzzeichen Auswirkung hat.

InDesign Japanisch Burasagari

Bei »Ohne« bleiben alle brav im Textrahmen. Ist die Burasagari-Funktion aktiviert, dürfen die Auserwählten über den Absatzrand hinausragen, bei »Erzwingen« müssen sie.

Adobe Illustrator und diverse Optionen für asiatischen Text

Das Zeichenprogramm Illustrator bietet umfangreiche Optionen zum Satz japanischer Schriftzeichen, und zwar schon seit langem (seit Version 7?). Die Rede ist nicht von meiner japanischen, sondern Ihrer deutschen Programmversion. Abgesehen von der Möglichkeit, festzulegen, auf welcher Seite doppelseitige Dokumente gebunden sein sollen, können Sie alles, was ich auf dieser und der folgenden Seite erklärt habe, auf Ihrem Computer ausprobieren – theoretisch. Auf der Website von Adobe finden Sie weitere ausführliche Informationen zur jeweiligen Funktion. Aber … weiß jemand, wieso ausgerechnet dieses Zeichenprogramm über diese speziellen Funktionen verfügt?

  • »Requirements for Japanese Text Layout« vom W3C

Wer sich gründlich über japanische Zeichensetzung und typografische Regeln bzw. Empfehlungen informieren möchte, der liest am besten dieses gigantische Dokument.